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Presse

Rheinpfalz: Tellerfleisch und ganz viel Hirn – Süddeutsche Zeitung, 20.12.2011

Von Lisa Sonnabend

In der Rheinpfalz pulsiert Schwabing an manchen Abenden noch wie früher. Gerade erst rückte Hans Karp, den alle nur Hänsel nennen, mal wieder zwei Tische zur Seite und ließ die Beatstones auftreten, eine Sixties-Band aus Pasing. Die Musik war treibend, es war heiß und furchtbar eng. Die älteren Gäste tanzten, die jüngeren sagten: 'Wahnsinn, wie die alten Leute tanzen.'

Abend für Abend treffen sich in dem Lokal in der Kurfürstenstraße Musiker, Künstler, Kabarettisten, Denker und Thekensitzer. Wenn ein neuer Gast den Raum betritt, grüßt er die anderen. Die meisten mit Vornamen. Jeder duzt jeden, auch die wenigen Neulinge. Der Gitarrist Nick Woodland, der der Legende nach einmal beinahe von den Rolling Stones engagiert worden wäre, kommt fast jeden Tag gegen 22.30 Uhr, setzt sich an den Tisch hinter der Eingangstür und trinkt ein Glas Wein. Dann geht er wieder. Rock"n"Roller Richard Rigan, der noch immer 'Elvis von Schwabing' genannt wird, sagt über die Rheinpfalz: 'Es ist eines der wenigen Lokale, wo es noch urig ist und kein Schickimicki zu sehen ist.' Eines der wenigen Lokale, wo er seine Cowboystiefel anziehen könne, ohne schief angeschaut zu werden.

Der Bildhauer Olaf Metzel sitzt an diesem Abend an einem der Holztische im hinteren Bereich des Lokals. Ein paar Tage zuvor ist ein großes Interview mit ihm erschienen, über sein neues Werk für die Staatsbibliothek in Berlin. Den Artikel reichen die Gäste, darunter einige Professoren der umliegenden Hochschulen, herum und nicken Wetzel anerkennend zu. 'Die Rheinpfalz hat Kultur', sagt der 67-jährige Wirt Hänsel stolz. 'Sie ist die Kneipe mit dem höchsten IQ der Stadt.' Hier haben auch die Angestellten studiert. Köchin Barbara zum Beispiel, die seit 35 Jahren Tellerfleisch, Schinkennudeln oder Zanderfilet zubereitet, ist Politologin.

Woher der Name der Kneipe kommt, hat hier allerdings trotz allem IQ niemand herausgefunden. Auch wie lange es das Lokal schon gibt, kann keiner so genau sagen. Sicherlich habe es die Rheinpfalz schon vor dem Krieg gegeben, vermutet Hänsel. Eines weiß der Wirt allerdings genau: Der Tag, an dem er das Lokal übernahm, war der 1. September 1971. Hänsel steckte damals mitten im BWL-Studium. Er hatte finanzielle Reserven, weil er einen gut bezahlten Nebenjob hatte. Als der damalige Besitzer des Lokals nach Indien ging, dachte sich Hänsel: 'Das könnte ich ja für ein paar Jahre machen.' Nun steht er nach 40 Jahren immer noch hinter der Theke. Er ist davon überzeugt, dass er der dienstälteste Wirt in Schwabing ist.

Als er das Lokal übernommen hatte, riss Hänsel erst mal die Tapete ab, zum Vorschein kam eine holzvertäfelte Wand. Die hat der Wirt mit Ochsenblut-Farbe bemalt und mit der Zeit Schwarz-Weiß-Fotos der Angestellten und der Stammgäste hingehängt. Die Bilder hängen noch heute. Hänsels Gastronomiekonzept lautet: 'Bloß nichts ändern.' Auch die Besucher sind großteils immer noch die gleichen - auch wenn sie inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen sind.

Die meisten Gäste sitzen an der Theke, vor sich ein Bierglas, das erst halbleer, dann leer und schließlich wieder voll ist. Mitten im Raum steht ein Klavier, ab und an haut ein Gast in die Tasten und wenn er das gut macht, verstummen die Gespräche, und die Gäste lauschen. In der Ecke hängen Wimpel von Fußballvereinen. Nicht vom FC Bayern, dafür von Erzgebirge Aue oder Rot-Weiß Oberhausen. 'Meine Sympathien haben die Vereine, die gegen den Abstieg kämpfen', erklärt Hänsel. Hinter dem Tresen liegt seine Trompete. Immer wenn ein Gast Geburtstag hat, holt Hänsel sie hervor und spielt ihm ein Ständchen.

Nur am Samstag müssen die Stammgäste ihr Bier woanders trinken. Denn dann ist - für eine Kneipe recht ungewöhnlich - Ruhetag. Hänsel sagt: 'Ich will ja auch mal ausgehen.' Und das gehe samstags am besten. Er ist dann meist im Podium oder in der Schauburg anzutreffen, natürlich in Schwabing.

Ans Aufhören denkt Hänsel noch lang nicht - vor allem wegen seiner Angestellten. Wegen Barbara, Morin, Heike und Klaus, von denen die meisten bereits seit mehr als 30 Jahren hier sind. 'Die bappen doch an ihrem Job', meint Hänsel. Die Rheinpfalz einfach zumachen, das würde ohnehin nicht gehen. Dann würden Freundschaften kaputtgehen, mehr noch: eine Familie würde zerbrechen. 

Hans Karp, Wirt der Traditionsgaststätte Rheinpfalz, mit Florian Gandlgruber, Ottfried Fischer, Andreas Steinfatt und Luise Kinseher (v.l.).

Hans Karp, Wirt der Traditionsgaststätte Rheinpfalz, mit Florian Gandlgruber, Ottfried Fischer, Andreas Steinfatt und Luise Kinseher (v.l.).(Foto: Robert Haas)

Schwabingerischer kann eine Kneipe kaum sein – Süddeutsche Zeitung, 3.9.2021

Von Franz Kotteder

"High from the snitzel and wurstl con crauti!", singt der Maler Michael Heininger seinen Gospelsong auf die Küche der Rheinpfalz, und er wird nicht der letzte sein, der an diesem Abend musikalisch wird. Denn das Lokal beherbergt seit jeher Künstler und Musiker, Zeichner und Autoren, Kabarettisten und Journalisten, Wissenschaftler und Studenten. Und allen von ihnen ist etwas eingefallen zur Rheinpfalz.

Heininger zitiert lustige Nonsensgedichte und erzählt aus seiner Jugendzeit. "Für uns Kunststudenten gab es früher nur vier Lokale in Schwabing", sagt er in seiner launigen Festrede, "der Hahnhof, weil dort das Brot gratis war, der Atzinger, weil für Kunststudenten dort das Bier zehn Pfennig billiger war, der Weinbauer wegen seiner billigen Suppe und die Rheinpfalz, weil wir dort unsere politischen Aktionen an der Akademie besprachen." Das, so sagt er, sei bis heute so geblieben, die Rheinpfalz sei nach wie vor ein Ort, an dem Essen, Trinken und Ratschen möglich sei "und die Schickeria nicht Schlange steht, um sich neppen zu lassen". Und ein ganzes Wirtshaus nickt zustimmend.

Es ist ein Abend, an dem die Gäste ihren Wirt und ihre Lieblingskneipe hochleben lassen und auf beider Beständigkeit und Ausdauer anstoßen. Dabei hatte alles schon ganz, ganz schlecht ausgesehen für die legendäre Künstlerkneipe. Denn die Rheinpfalz in der Kurfürstenstraße stand Ende vergangenen Jahres vor dem Aus. Die Hacker-Pschorr-Brauerei wollte den Pachtvertrag nicht mehr verlängern und die Wirtschaft wieder rentabler machen.

So ist das eben, wenn nur die Zahlen regieren. Dann sieht man das Entscheidende oftmals nicht. Bei der Rheinpfalz nicht, dass es sich um ein Künstler- und Kneipenbiotop handelt, eine Institution mithin, wie sie schwabingerischer kaum sein kann (falls es diese Steigerungsform gibt). Und vor allem auch um ein langes Wirteleben, das diese Institution erst möglich gemacht hat. Hans Karp, von Stammgästen nur "Hänsel" oder "Tschowanni" genannt, ist seit 1. September 1971 Wirt der Rheinpfalz, und um ein Haar wäre es Ende April vorbei gewesen, weil da sein Vertrag auslief.

Am Mittwochabend jedoch fand nun ein kleines Fest in der Rheinpfalz statt, mit vielen langjährigen Stammgästen, berühmten und weniger berühmten, vor allem aber mit dem 77-jährigen "Hänsel" respektive "Tschowanni" am Zapfhahn. Denn der konnte nun doch sein 50. Wirtejubiläum feiern. Nach bewährtem Muster, das Heininger so beschreibt: "50 Jahre lang hat Hans von seinem Tresenthron aus seine Gäste begrüßt, beäugt und taxiert." Was der Wirt trocken mit: "Des war auch nötig!" kommentiert.

Dass es weitergeht, hat er vor allem einigen seiner Gäste zu verdanken, und nicht zuletzt auch Brauerei-Chef Andreas Steinfatt, der beim Fest sichtlich beeindruckt ist von der engen Beziehung der Stammkundschaft zu ihrer Kneipe. Auch er ergreift das Wort und erzählt, wie er so nach und nach in die Geschichte hineingezogen wurde, Briefe bekam von dem Kabarettisten Ottfried Fischer ("Wer die Rheinpfalz betritt, begibt sich auf eine Zeitreise"), von dessen Kollegin Luise Kinseher und von vielen anderen. Da habe er dann gemerkt, dass die Rheinpfalz doch mehr zu sein scheint "als eines von insgesamt 4500 gastronomischen Objekten unserer Brauerei". So reifte die Erkenntnis: "Es lohnt sich zu kämpfen."

Da wird ihm Florian Gandlgruber sicher beipflichten. Der Architekt und Musiker sowie Rheinpfalz-Stammgast hat damals zum Jahreswechsel 2020/21 die Initiative ergriffen und zu kämpfen begonnen. Er bat prominente Rheinpfalz-Gäste wie Ottfried Fischer, Luise Kinseher, Altoberbürgermeister Christian Ude und Helmut Schleich um Unterstützung in Form von Briefen an die Brauerei, bastelte mit Freunden und Bekannten an einem Betriebskonzept für die Kneipe und verhandelte mit dem Hauseigentümer. Dabei ging es vor allem um die Wirtewohnung, in der Hans Karp seit 50 Jahren lebt und aus der er hätte ausziehen müssen. Nun hat der Hauseigentümer, die Bayerische Hausbau, die ebenso wie Hacker-Pschorr zur Unternehmensgruppe Schörghuber gehört, zugestimmt, dass Karp dort in einer Art Austragswohnung bleiben kann. Auch den Pachtvertrag für die Rheinpfalz hat man ihm um drei weitere Jahre verlängert, danach geht ein junges Team an den Start, das die Kneipe in seinem und im Sinne der Gäste fortführen soll.

Viele gute Gründe also, um zu feiern. Das tat die Festgemeinde dann auch, Ottfried Fischer war mit Frau Simone extra aus Passau angereist und brillierte mit Sonnenbrille und angeklebten Koteletten als Elvis-Double. Luise Kinseher war da und der Bluesgitarrist Nick Woodland, der Pianist Edgar Wilson spielte Jazz-Traditionals und Eigenkompositionen am Kneipenklavier. Vom kommenden Montag an hat die Rheinpfalz dann wieder ganz normal geöffnet. Für Stammgäste und solche, die es noch werden wollen.

Rheinpfalz Schwabing

Kurfürstenstraße 35
80801 München
Tel: 089 / 271 06 98

E-Mail: rheinpfalz71@web.de

Wir nehmen keine EC- oder Kreditkarten!

Öffnungszeiten

Geöffnet Mo–Sa,
ab 18.00 Uhr
Sonntag Ruhetag
Warme Küche Mo–Sa,
18.00–23.00 Uhr

Anfahrt / MVV

Tram 27/28, Haltestelle
Elisabethplatz (3 Min.)
U3/U6, Giselastraße (10 Min.)
U2, Josephsplatz (10 Min.)

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